Das Leben muss schwer sein, wenn man blind ist.
Ich erinnere mich an diesen Moment.
Jemand sah mich an – so ein Blick, der nicht fragt,
sondern schon alles zu wissen glaubt.
Und dann kam dieser Satz.
“Ich sehe ehrlich gesagt nichts Besonderes an dir.”
Kein Schock. Kein Drama.
Nur so eine Leere, wie nach einem schlechten Witz.
Aber keiner hat gelacht.
Ich hätte diskutieren können.
Mich erklären. Rechtfertigen.
Beweise liefern für etwas, das ich doch längst bin.
Aber ich hab’s nicht gemacht.
Ich hab nur genickt – nicht aus Zustimmung,
sondern weil ich gemerkt hab:
Dieser Mensch spricht nicht über mich.
Er spricht über seine Art zu sehen.
Manche Menschen haben Augen, aber keine Geduld.


Du bist genug!
Sie schauen – aber sie sehen nicht.
Nicht Tiefe. Nicht Entwicklung.
Nicht das, was leise ist.
Und weißt du was?
Ich will auch gar nicht jedem auffallen.
Ich bin nicht für flüchtige Blicke gemacht.
Nicht für Applaus aus der ersten Reihe, während ich noch am Wachsen bin.
Ich bin kein Aushängeschild.
Ich bin ein Prozess.
Und wer mich in einem einzigen Moment bewertet, verpasst die ganze Geschichte.
Ich habe gelernt:
Ich muss nicht leuchten, damit ich existiere.
Ich muss nicht gefallen, damit ich wertvoll bin.
Ich bin nicht unsichtbar.
Ich bin nur nicht für jeden lesbar.
Und das gilt nicht nur für mich.
Jeder Mensch trägt eine Geschichte in sich – aber kaum jemand nimmt sich die Zeit, wirklich zwischen den Zeilen zu lesen.
Weil’s einfacher ist, sich ein Bild zu machen,
als einen Menschen wirklich zu entdecken










