Facebook Digitalalbtraum
Manchmal fragt man sich ja, ob man in einer Komödie oder in einem schlechten Science-Fiction-Film gelandet ist.
Bei mir war’s leider kein Film – sondern Facebook.
Die Plattform, auf der ich seit sieben Jahren jeden einzelnen Post, jedes Foto, jeden Satz mit Herzblut rausgehauen habe.
Mein Account Jammer nicht, lebe! – mein Baby.
Über Jahre aufgebaut. Durch Höhen und Tiefen getragen.
Und endlich, nach einer halben Ewigkeit, läuft es: monetarisiert, Reichweite durch die Decke, Interaktion ohne Ende.
Und genau da passiert’s.
Die Ironie könnte nicht größer sein:
Facebook liebt es, dich ständig daran zu erinnern, wie wichtig Interaktion ist.
„Antworte auf Kommentare!“, „Zeig deiner Community, dass du da bist!“, „Bleib aktiv!“ – das Mantra jeder Social-Media-Schulung.
Also machst du genau das.
Du kommentierst. Du antwortest. Du bist präsent.
Du tust genau das, was Facebook will.
Und was bekommst du als Dankeschön?
Einen dicken, fetten Arschtritt.
Denn Überraschung , wenn du „zu viel“ antwortest, bist du plötzlich ein „verdächtiger Account“.
Ein Roboter.
Ein Spam-Bot.
Ein Virus im System.
Mit blauem Haken, wohlgemerkt!
50 Kommentare darfst du beantworten.
Nicht 51.
Nicht 52.
50.
Und dann ist wie sagt man so schön, die Maus tot.
Sperre. Feierabend.

Ohne Vorwarnung, ohne ein freundliches „Hey, das war vielleicht etwas zu viel, mach mal langsam“.
Nein, einfach zack – raus bist du.
Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich immer noch fassungslos mit dem Kopf schüttele:
Meine privaten Konten? Dauerhaft gelöscht.
Nicht gesperrt für 24 Stunden. Nicht „bitte einloggen und bestätigen“.
Gelöscht.
Für immer.
Ich kann mich nicht mehr einloggen, nicht mal über den offiziellen Support irgendwas retten.
Mein ganzer persönlicher Zugang – weg.
Die einzige Chance?
Ein Medienanwalt.
Ja, richtig gehört.
Man braucht inzwischen juristische Hilfe, um wieder an sein eigenes digitales Leben zu kommen.
Und der arbeitet natürlich nicht ehrenamtlich.
Das Absurde:
Ich kann mich nur noch über den Account meines Mannes einloggen, um überhaupt irgendwas zu posten oder meine Community am Laufen zu halten.
Acht Jahre Arbeit – und ein einziger Algorithmus-Fehlalarm hätte fast alles zerstört.
Das ist Willkür auf einem Level, das mich sprachlos macht.
Eine Plattform, die dich jahrelang zum „Mehr-Interagieren“ motiviert, dich mit Benachrichtigungen zuspammt und dir ein schlechtes Gewissen macht, wenn du mal nicht antwortest, haut dir beim ersten Zeichen von echtem Engagement den Teppich unter den Füßen weg.
Ich weiß, Facebook ist ein Unternehmen.
Mit Regeln. Mit Algorithmen.
Aber Algorithmen kennen keine Menschen.
Sie kennen keine Geschichten.
Sie kennen keine sieben Jahre Herzblut.
Und genau deshalb muss ich jetzt tun, was eigentlich schon lange fällig war:
Mir Alternativen suchen.
Andere Plattformen. Eigene Kanäle. Mehr Unabhängigkeit.
Weil ich nicht mehr bereit bin, meine Arbeit und meine Reichweite in die Hände eines Systems zu legen, das mich mit einem Klick ausradiert.
Vielleicht liest das hier jemand, der bei Facebook arbeitet.
Vielleicht auch nicht.
Aber wenn ja, dann hier mein Wunsch:
Hört auf, die Falschen zu sperren.
Hört auf, Menschen, die ihre Community lieben und pflegen, wie Kriminelle zu behandeln.
Bis dahin bleibe ich, gezwungenermaßen, undercover.
Getarnt im Account meines Mannes.
Wie so eine Geheimagentin, nur ohne schicken Anzug und ohne Martini.
Aber mit einer Mission:
Egal, wie oft sie mir den Stecker ziehen – Jammer nicht, lebe! wird nicht verschwinden.









