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Die Karten, die einem das Leben austeilt

jammer-nicht-lebe.de Gastbeitrag Personalsister
 
Die Karten, die einem das Leben austeilt, sind nicht immer gewünscht und bestellt.


Gastbeitrag von: Katja https://www.personalsister.de/
Die Karten, die einem das Leben austeilt, sind nicht immer gewünscht und bestellt.
Oftmals hat man keine Wahl, ob man sie annehmen möchte. Sie werden einem so nachdrücklich in die Hand gelegt, egal wie zentnerschwer oder ob sie kaum zu tragen sind.

Die am schwersten zu ertragende wurde für mich mit Abstand die Krankheit meines Sohnes, die wie ein schrecklicher Irrtum über uns hereinbrach.
 
Ausgerechnet am Valentinstag, wo doch so viele Menschen eine schöne Zeit planen, wurde mein damals 12-jähriger Sohn als Notfall in die Kinderonkologie bestellt.

Ein paar Stunden zuvor waren wir zu einer Routineuntersuchung in der Klinik, bei der eine Blutabnahme vorgenommen wurde.
Die Auswertung ging schnell und die extrem hohe Leukozytenzahl im Blut war ein eindringlicher Alarm.
Dieser Wert deutete sofort auf eine CML hin, die chronische myeloische Leukämie, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte.

Und ich mochte meinen Ohren kaum trauen, als die Ärztin bei ihren Erläuterungen erwähnte, mit ein wenig Glück würde unser Sohn an einer chronischen Form der Leukämie leiden.

Glück, chronisch und Leukämie in einem einzigen Satz?

Es hat ein ganzes Stück Weg gedauert, um das zu verdauen und zu verstehen. Und ja, wir haben Glück.

Eine extrem seltene Krankheit bei Kindern. Von all den Kindern, die wir in dem Klinikaufenthalt in der Onkologie kennengelernt haben war mein Sohn der Glückspilz, die Ausnahme, vielleicht sogar gesegnet - mit einer Krankheit, die man durch Medikamente in Schach hält, Hoffnung auf Heilung in eine realistische Zukunft rückt und mit der man ein nahezu normales Leben weiterführen kann.

Leicht war es nicht, für keinen von uns. Mein Sohn war verzweifelt, hatte vorher keinerlei Beschwerden verspürt und wurde nun mit solch einer Diagnose konfrontiert. Leukämie. Krebs.
Schmerzen, Übelkeit, zahllose Untersuchungen, Punktionen, die Aussicht auf eine andauernde Chemotherapie in Tablettenform. Angst. Vor dem was ist, noch kommt.

Nach 16 Tagen stationären Aufenthalt durfte er wieder nach Hause. Geschwächt. Schweigsam. Viel zu leise. Viel zu demütig. Das waren wir alle.
 
Die Zeit heilte auch hier.
Unsere Zuversicht.
Unsere Kraft.
Allerdings nicht alle Wunden.

Jetzt sind 1,5 Jahre vergangen. Die Welt dreht sich weiter.
Meinem Sohn geht es soweit gut. Wir haben Vertrauen gefasst, in den Weg der vor uns liegt. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, die uns an die Hand nahmen und aufhalfen.
Diese Zeit hat alles verändert.
Nichts ist mehr selbstverständlich.

Nicht wirklich viel ist wichtig.
Ich bin dankbar für jeden guten Tag, jede gute Nachricht.
Auch wenn unser Weg nicht absehbar ist, man weiß nie, mit welchen Nebenwirkungen bei der starken Medikation zu rechnen ist, bin ich zuversichtlich.
Aktuell wurde auf ein neues Medikament umgestellt, das Erste hat nicht die gewünschten Erfolge gebracht.
Die regelmäßigen Kontrollen in der Onkologie werden uns weiter begleiten.
Auch die Sorgen.

Aber wir haben gelernt: Es gibt immer Hoffnung. Und es geht weiter. Immer.
 

Über die Autorin:



Mein Name ist Katja, ich bin 46 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei Söhnen (16 und 14).

Die CML hat mich zum Schreiben gebracht, war mein Ausgleich, mein Kraftgeber. Denn ich brauchte ein Ventil und die Möglichkeit, aus meinem Gedankenkarussell auszusteigen.
Es dreht sich nun nicht mehr alles um die Angst und die Sorge, doch die Achterbahnfahrt habe ich wohl fest gebucht.

Kontakt mit Katja:

Blog von Personalsister
Instagram: @personalsister
Facebook : «Personalsister»

Weitere Informationen zum Thema CML:

https://www.cml-bei-kindern.com/
https://www.leukaemie-online.de/
http://www.kleines-kunststueck.de/

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