MeinGeduldsfaden
Ach, Du stehst also morgens auf, mit der verrückten Idee im Kopf, dass ein Spaziergang am Morgen irgendwie Dein Leben verbessern könnte. Du denkst, frische Luft und Bewegung könnten das Wundermittel sein, das Dir bisher gefehlt hat. Aber dann, oh Schock, kommt der Doktor mit seinem unumstößlichen Urteil: „Das ist kein Sport.“ Na klar, und Apfelkuchen ist ein Gemüse.
Lasst uns kurz innehalten und über die Weisheit sinnieren, die in der Aussage „Spaziergang ist kein Sport“ verborgen liegt. Es ist fast so, als würde man sagen, Flüstern sei keine anerkannte Form der Kommunikation, weil man dabei nicht schreit. Die Logik ist unbestreitbar: Wenn Du nicht in Schweiß gebadet, keuchend und mit dem Gefühl, gleich das Zeitliche zu segnen, von Deiner „Aktivität“ zurückkommst, dann kannst Du es auch gleich bleiben lassen. Denn wie wir alle wissen, zählt nur die Art von Bewegung, die Dich hinterher nach dem nächsten Sauerstoffzelt suchen lässt.
Du musst verstehen, der tägliche Spaziergang ist viel zu subtil, zu nuanciert für die breite Masse, die unter Sport ausschließlich das Verständnis von Gewichte stemmen, bis die Muskeln schreien, oder sich auf dem Laufband quälen, bis die Seele weint, kennt. Es ist ein feingesponnenes Netz aus Bewegung, das die feinen Linien der Gesundheit und des Wohlbefindens umschmeichelt, zu subtil für das bloße Auge, zu raffiniert für den groben Geschmack.
Aber bitte, lass Dich nicht entmutigen. Wenn der Doktor sagt, es sei kein Sport, dann muss er wohl recht haben. Schließlich sind Ärzte bekannt dafür, absolute Autoritäten in Sachen persönliches Wohlbefinden und individuelle Fitnessziele zu sein. Es spielt keine Rolle, dass Du Dich besser fühlst, dass Dein Geist klarer ist und Dein Körper Dir für diese kleine tägliche Dosis an Bewegung dankt. Nein, nein. Die Definition von Sport, eingeflößt durch jahrelanges medizinisches Training, ist unfehlbar.
Also, was bleibt Dir nun zu tun? Vielleicht solltest Du beim nächsten Mal Deinen Spaziergang mit Hanteln in den Händen und einem Gewichtsweste antreten, nur um sicherzugehen, dass Du auch wirklich Sport treibst. Oder noch besser: Vielleicht solltest Du einfach Deine Spaziergänge genießen, das frische Morgenlicht begrüßen und die sanfte Bewegung als das akzeptieren, was sie ist – eine Form der Selbstfürsorge, die kein Doktortitel der Welt Dir absprechen kann.
Und wenn jemand das nächste Mal zu Dir sagt, „Das ist kein Sport“, dann lächle einfach.
Denn in DIESER Welt, die vor lauter Definitionen und Regeln fast platzt, ist es manchmal das Beste, was Du tun kannst, einfach Deinen eigenen Weg zu gehen.










