Neulich im Zug!
Zwei Frauen, Typ regional verwurzelt – dialektal bewaffnet.
Sie setzen sich schräg gegenüber und los geht’s:
Ein Wortgewitter in einer Sprache, die selbst Google Translate in den Burnout treibt.
Sie reden so schnell, ich brauch Untertitel, ein Wörterbuch und einen Exorzisten.
Es klingt ungefähr so in der Art:
„Do hockt da Schorsch midm Gsälzbrod und da Franz hobt sei Bladdl net gfundn und dann is d’Liesl kumman mit’m Moped!“
Ich schau auf mein Ticket. Ja, das ist zweite Klasse. Aber ich fühl mich wie in einer Impro-Comedy-Show, bei der ich versehentlich die Hauptrolle hab.
Und plötzlich sagt die eine völlig ernst:
„Du, sag amoi, hob i lätztens ghert.
Wos hoaßt denn Séparée ?“
Kurze Pause.
Ich denke:
Jetzt kommt was mit „abgetrennter Raum“.
Oder „intimes Séparé“. Oder einfach: „Privatsphäre“.
Aber nein.
Der Mann gegenüber, der bis eben regungslos in sein Brötchen geatmet hat, hebt den Kopf, schaut sie an
und sagt mit der Stimme eines Mannes, der alles gesehen hat – wirklich alles:
„Na! JOSEF. EIN REH.“
Ich. Kann. Nicht. Mehr
Mein Gehirn verabschiedet sich in die Bordtoilette. Mein Humor bricht den Notfallhammer. Ich brech lachend fast zusammen.
Der Typ hat das französische „Séparée“ einfach auf bayerisch umgedichtet.
Sé – pa – rée?
Also quasi: Josef (Sepp), a Reh.
Ich hab so gelacht, ich hab fast mein Handy aus dem Fenster geschmissen.
Und die beiden?
Reden weiter.
Haben nix gemerkt.
Wechseln völlig nahtlos ins nächste Thema:
Ob man dem Dackel vom Nachbarn Hafermilch geben darf. WTF?
Und das, meine Freunde, ist das wahre Deutschland:
Ein Ort, an dem du „Séparée“ für ein Wildtier-Duo hältst, aber ganz selbstverständlich darüber diskutierst,
ob man beim Gulasch lieber Kümmel oder keinen Charakter verwendet.
Dialekte sind keine Sprache.
Sie sind ein Geräusch mit Werten.
Sie sind das akustische Gegenstück zu Leberwurst auf Spitzenstoff.
Und sie machen mich fertig –
auf die schönste Weise










