Lebenslust
Mut ist die Kraft, die Träume Wirklichkeit werden lässt
Januar 14, 2021

Lebenslust hoch 10

buch
 
 

Lebenslust hoch 10

Ein Gemeinschaftsprojekt mit Ronja Anja Heim.


Um was geht es in diesem Buch?

Die besten Geschichten schreibt das Leben immer selbst! Lebendig, humorvoll und eine kleine Prise Sarkasmus. Starke Frauen werden nicht einfach so geboren, sie entwickeln sich auf Grund der Stürme, die sich ihnen in den Weg stellen. In diesem energiegeladenen Roman finden Joy und Lively, zwei sich bis dato fremde Frauen, unerwartet durch die Widrigkeiten des Lebens zueinander. Während die schüchterne Joy noch in ihrer Findungsphase steckt und ein anstrengendes Jahr versucht zu verdauen, kreuzt die vom Schicksal gezeichnete Lively ihren Weg. Es war einem Zufall geschuldet, dass Lively ausgerechnet durch den Rachefeldzug eines Journalisten auf die gedemütigte Shop-Betreiberin Joy trifft und sich sofort mit der jungen Frau verbunden fühlt. Aus dieser Misere heraus entsteht eine tiefe Freundschaft. Gemeinsam legen sie den Grundstein für etwas Großartiges – die „Empowerful Woman“. Missgunst und Intrigen begleiten von da an den Weg der beiden Powerfrauen. Bis zum Ende hin bleibt die Geschichte der Zufallsbekanntschaft von Joy und Lively völlig offen, doch mit ihren humorvollen Anekdoten und aussagekräftigen Zitaten beteiligen sie den Leser hautnah an einer nahezu wahren Geschichte.
 
Einblick ins Buch

Zwei Frauen, so prickelnd und erfrischend, wie die Bläschen im Champagner

... Es war ein Tag wie jeder andere, als sich Joy aus dem Bett rollte und mit einer in Falten gelegten Stirn den Wecker stumm schaltete.
Sie schlurfte leise in die Küche, um ihren Verlobten Trip noch etwas schlafen zu lassen, setzte das Teewasser auf und knipste den Fernseher an. Die Nachrichten überschlugen sich einmal mehr. Ein Terroranschlag hier, tote Menschen da, irgendwo brach wieder eine neue Krankheit aus. Gleichgültig wandte sich Joy vom Fernseher in der Ecke ihrer Küche ab und blickte zum Fenster hinaus, direkt auf ihren Garten. Für einen Morgen im März war das Wetter annehmbar lauschig. Die fahl wirkende Wiese beherbergte wie in den vergangenen Jahren auch in diesem Jahr kaum Schnee auf sich, doch der Himmel war klar und somit würde die Sonne mit ihren schwachen Strahlen den Tag sicherlich um ein paar Grad erwärmen können.

Der Wasserkocher schaltete sich mit einem lauten, klackenden Geräusch ab, als das Wasser aufkochte und erlangte wieder Joys volle Aufmerksamkeit. Sie wandte sich um, goss das Teewasser in die beiden vorbereiteten Tassen und sah zu, wie sich durch das eben noch klare Wasser allmählich ein roter Schleier zog.
Erst dann weckte sie behutsam ihren Verlobten auf und bereitete das Frühstück vor. Die morgendliche Routine gab Joy Sicherheit. Ein planmäßiger Ablauf der zu erledigenden Dinge war für die 30-Jährige der Erfolgsgarant dafür, um nicht in Stress zu geraten und diesen galt es für Joy, vor allem am Morgen, tunlichst zu vermeiden! So fuhr ihr Verlobter, ganz nach Plan auch an diesem Morgen eine dreiviertel Stunde später zur Arbeit, während Joy unter die Dusche sprang, sich ihre zurechtgelegten Klamotten überstreifte und die langen dunkelblonden Haare föhnte. Eigentlich sollte sie hierbei ein frisches und strahlendes Lächeln im Spiegel sehen, denn im selben Monat trat sie eine neue Arbeitsstelle an, welche ihr mehr Zeit für sich und somit auch innere Ruhe verschaffen sollte. Doch so aufregend und angenehm ihr Start in der neuen Firma auch war, es schien sie nicht glücklich zu machen.

Was ist nur mit dir los, Mädchen? Was willst du denn noch? Du warst so dankbar und zufrieden jeden Morgen gesund und munter aufstehen zu können und nun fehlt dir für alles die Energie und Freude? So kennst du dich selbst nicht!

Tadelnd blickte sie mit dem lärmenden Föhn in der Hand in ihr Spiegelbild.
Die rehbraunen Augen wurden feucht und brannten, eine erste Träne rollte Joy über die Wange.
Gib dir noch etwas Zeit, dachte sie bei sich. Es war ein anstrengendes Jahr, das dauert eben, bis du auch das weggesteckt hast.

Als sie ihre Mähne trocken hatte, schnappte sich Joy ihre Tasche, zog sich die Lieblingsturnschuhe an, griff zum Schlüssel und verließ eilig das Haus. Ihre weiblichen Kurven verpackte Joy meist in unscheinbare, legere Klamotten. Nur nicht auffallen lautete ihre Devise.
Anliegende Klamotten standen der jungen, schlanken Frau gut, doch sobald sie auch nur jemand ansah, begann sie sich unwohl zu fühlen und wollte sich verstecken. In Gedanken bei sich, der neuen Arbeit, ihrer eigenen Unzufriedenheit und dennoch etwas geistesabwesend im Nirgendwo verschollen, konnte Joy natürlich nicht ahnen, dass das Schicksal bereits seine eigenen Pläne für sie hatte......

.... Unterdessen machte sich auch Lively fertig für die Arbeit. Obwohl sie eine konventionelle Ausbildung absolvierte und sich in der Buchhaltung heimisch fühlte, schwenkte sie vor einigen Jahren um, folgte seither ihrer kreativen Ader und arbeitete für eine Werbeagentur. Der herzliche Sturkopf engagierte sich, wo sie nur konnte.
In der Schule begleitete sie für ihren Sohn vor ein paar Jahren noch unzählige Ehrenämter, pfiff sogar für die Jugendmannschaft auf dem Rasen, hielt ehrenamtlich Workshops und schüttelte bereits viele wichtige Hände, und eckte durch ihre herrliche, ehrliche Art immer wieder an. Ihr Chef verfolgte einen steilen Kurs mit seiner Firma, den sie nicht gutheißen konnte und auch ein paar ihrer Kolleginnen machten der taffen Frau Anfang 40 des Öfteren den Alltag schwer. Sie wollte sich nicht länger bevormunden lassen, allerdings gefiel ihr die Arbeit an sich gut und irgendwo musste schließlich die Kohle herkommen.
„Schatzi, ich fahr auf die Arbeit, wann bist du heute Abend zu Hause?”, rief Lively die Treppe im Flur hinauf zum Schlafzimmer. „Ich komme um sieben. Soll ich uns was vom Italiener mitbringen?”, fragte ihr Mann aus dem Schlafzimmer heraus. “Perfekt, ja kannst du machen!“, schrie Lively die Treppen empor.


Lively saß in ihren neuen Capri-Jeans bereits im Außenbereich des Kaffees und genoss die Sonnenstrahlen, während sie unruhig auf das erste Zusammentreffen mit Joy wartete. In Gedanken versunken betrachtete sie über den Riemen ihrer Sandaletten hinweg die frisch lackierten, feuerroten Zehennägel.
Hoffentlich erkenn ich sie überhaupt und sie mich, ging es Lively durch den Kopf. Sie nippte an ihrem Latte Macchiato und beobachtete die vorbeigehenden Passanten, dabei schweifte sie erneut ab …
Fragen über Fragen kamen ihr plötzlich in den Sinn. Was, wenn sie nicht kommt, dann mache ich mich zum Horst… Wie komme ich aus der Nummer heraus, wenn wir uns nicht verstehen …? War ich zu voreilig mit meiner Bitte …?
Verdammt, was hast du dir nur wieder dabei gedacht, sagte Lively im Geiste zu sich selbst und schob die unliebsamen Gedanken schnell wieder beiseite.

Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.
Die Worte von Pippi Langstrumpf hallten Joy auf ihrem Weg zum vereinbarten Kaffee durch den Kopf. Mit jedem gewonnen Meter spürte sie langsam, aber sicher die Nervosität in sich auflodern.
Am unangenehmsten war ihr der Gedanke nicht zu wissen, ob sie Lively überhaupt erkennen würde. Natürlich hatte sich auch die Shop-Betreiberin das Motivations-Profil der smarten Frau genauestens angesehen, doch bis auf ein paar ältere Eigenportraits wurde sie zwischen den vielen Sprüchen und Zitaten nur unwesentlich fündig.
Bei dem Gedanken, suchend vor den Tischen nach einer einladenden Reaktion Ausschau zu halten, während all die anderen Gäste sie von Kopf bis Fuß mustern würden, drehte sich ihr sofort der Magen um.
Vor allem, da noch immer der Zeitungsartikel in den Hinterköpfen der Städter prangte. Am Kaffee angekommen, versuchte Joy Souveränität auszustrahlen, während ihre suchenden Blicke einen Tisch nach dem anderen abgrasten. Als sie auch auf ein suchendes Augenpaar traf, lief sie instinktiv auf Lively zu und sagte zaghaft: „Hi, bist du Lively?”
Mit einem zufriedenen Lächeln erwiderte Lively: „Ja, die bin ich. Und du musst Joy sein, setz dich, ich hab uns einen Platz in der Sonne gesichert.” Ein Stein fiel Lively vom Herzen, als sich unmittelbar nach Joys Ankunft ihre Sorgen in Wohlgefallen auflösten. Als geborene Pessimistin hatte sie schon immer mit solch negativen Erwartungen zu kämpfen.
Das Spielchen, was wäre, wenn, ging sie dabei immer wieder in Gedanken durch und kam zumeist auf kein positives Ergebnis. Doch in diesem Fall schienen ihre Sorgen unbegründet zu sein.

Umgehend entstand ein zwangloser Dialog, noch ehe Joy ihr Getränk bestellen konnte.
„Ich muss gestehen, dass ich jetzt doch ziemlich nervös geworden bin, als ich hierhergelaufen bin”, grinste Joy verlegen. „Ach Quatsch! Wieso?”, fragte Lively belustigt.
„Naja, ich habe mich zwar auf deinem Profil umgesehen, aber ein wirkliches Bild von dir hatte ich nicht vor Augen”, erklärte sich Joy. „Das ist pure Absicht, denn ich wollte von Anfang an, dass meine Follower meinen Worten mehr Beachtung schenken als meiner Person”, erwiderte Lively.
„Darf es für Sie schon etwas sein?”
Eine freundliche Kellnerin machte beim Vorübergehen am Tisch der zwei Frauen halt und blickte Joy fragend an. „Ich nehme einen großen Kaffee bitte, schwarz”, orderte Joy und sah ihr noch kurz nach, ehe sie sich wieder auf Lively konzentrierte. „So, du hast mich schon richtig neugierig gemacht. Worüber möchtest du gerne mit mir sprechen?” Erwartungsvoll rückte sich die junge Frau ihren Stuhl zurecht.
„Aaaaaalso”, begann Lively mit einem breiten Grinsen. Endlich war es so weit.
Beflügelt von der Möglichkeit, ihr Herzensprojekt nun auch mit einer Gleichgesinnten verwirklichen zu können, platzte Lively mit ihrer Idee heraus: “Ich würde mich gerne für Frauen engagieren und eine Organisation auf die Beine stellen.
Ich möchte eine Anlaufstelle für Hilfesuchende gründen und ich hätte sogar schon einen passenden Namen dafür
- Empowerful Woman.”
Nachdem sie ihren Satz nahezu heroisch beendet hatte, wartete sie gespannt auf eine erste Reaktion.

Schlagartig gingen Joy exakt zwei Dinge durch den Kopf: Okay, aber nach diesem Projekt ist wirklich Schluss! Und: Das ist der Wahnsinn, ich muss einfach dabei sein!

Schließlich antwortete sie: „Das klingt großartig!
Und der Name ist eine Wucht!
Außerdem weiß dann unsere zukünftige Zielgruppe direkt, worum es geht!” „Mega!”, freute sich Lively über die indirekte Zusage ihrer neugewonnenen Partnerin. „So und hier einmal Ihr Kaffee schwarz”, sagte die Kellnerin, als sie Joy die große Tasse vor die Nase stellte. Höflich bedankte diese sich und wandte sich wieder ihrer Gesprächspartnerin zu. „Und wie stellst du dir das genau vor? Also ich bin gerne für alle Schandtaten bereit, aber ich muss zusehen, dass ich mit meiner Zeit besonnen umgehe, denn wenn ich etwas mache, dann richtig! Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als etwas planlos anzufangen und dann nicht durchzuziehen. Das macht mich zum einen unglaubwürdig und außerdem schreit mein innerer Monk nach Vervollständigung in allen Belangen”, scherzte Joy über ihre ernsten Absichten hinweg.
Livelys Gesicht erhellte sich.
„Schau ich so aus, als würde ich etwas halbherzig angehen?
Mein zweiter Vorname ist ZUVERLÄSSIG”, lachte sie. Es war erstaunlich.
Die beiden sich bis dato fremde Frauen schienen auf Anhieb auf einer Welle zu surfen und während die Zeit nur so verstrich, schmiedeten sie ihre ersten, gemeinsamen Pläne.
„Also ich weiß ja nicht, wie du mit deinem Shop ausgelastet bist”, begann Lively letztlich Joys ursprüngliche Frage aufzugreifen. „Jetzt, nachdem dieser Artikel erschienen ist, wahrscheinlich eher weniger”, fügte sie mit einem betroffenen Unterton dem Satz bei. „Ich stelle mir das nämlich durchaus als eine eingetragene Unternehmensform vor, vielleicht auch eine GbR, um Seminare und andere Veranstaltungen für interessierte Frauen zu organisieren, die Hilfe benötigen”, erläuterte Lively nun etwas ausführlicher. Joy holte tief Luft und setzte zu ihrer Antwort an, als jedoch ein umgeworfenes Glas auf dem Nachbartisch ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Ihr Blick wanderte über ihre linke Schulter, blieb auf dem umgefallenen Bierglas des älteren Herren hinter ihr haften, als Joy im Augenwinkel schlagartig eine markante Gestalt auffiel.

Da stand er! Steve Richardson in Person!
„Was ist denn los?”, fragte Lively mehr als nur erstaunt, als sie bemerkte, wie Joy auf einmal kreidebleich in sich zusammensank. „Da drüben steht er”, flüsterte Joy und blickte wieder zu Lively, während sie noch ein Stückchen weiter auf ihrem Stuhl nach unten rutschte. „Wer?”, fragte Lively für Joys Geschmack auffällig laut und blickte sich hastig um.
„Na Steve! Steve Richardson, der Journalist”, wimmerte Joy und konnte es nicht lassen, erneut zu ihrem Peiniger hinüberzusehen. „Uhhh, der ist aber ein Sahneschnittchen”, tönte Lively übertrieben freudig.
Beide beobachteten sie Steve Richardson genau, wie er die Straße überquerte, um sich offenbar im selben Kaffee niederzulassen. Nur fünf Tische weiter, schien er einen Tisch für zwei anzusteuern, an welchem eine auffällig geschminkte Blondine saß und den smarten Journalisten zu erwarten schien.
„Du glaubst doch etwa nicht, dass das seine Frau ist”, züngelte Lively.
„Sicher nicht”, antwortete Joy angewidert.
Im darauffolgenden Moment biederte sich die vollbusige Schönheit dem Journalisten an, stand auf und begrüßte diesen umgehend mit Küsschen links und rechts, ehe beide an ihrem Tisch Platz nahmen.
Er schien in freudiger Erwartung auf dieses Treffen zu sein, denn auch er hatte sich in Schale geworfen.
Durch einen aufkommenden Windstoß konnte Joy sein Aftershave bis an ihren Tisch riechen.
Sofort drehte sich ihr der Magen um, als sie seinen Duft wiedererkannte.
„Meinst du sie erhofft sich nur einen guten Artikel, oder ist das womöglich nicht ihr erstes Treffen, so wie die Beiden sich anshakern”, grummelte Joy noch immer mit einem stechenden Blick zu deren Tisch hinüber.
„Perfekt aussehen musst du nur, wenn du sonst nichts kannst”, stichelte Lively mit Blick in Richtung der fremden Blondine zurück.
„Trotzdem, ich fühle mich furchtbar”, knautschte Joy, setzte sich wieder ordentlich auf den Stuhl und griff nach ihrem kalt gewordenen Kaffee. „Der Typ ging dir ja wirklich unter die Haut?
Was genau ist denn da abgelaufen?”, wollte Lively wissen.
Joy schilderte daraufhin Lively detailgetreu was an diesem späten Nachmittag, oben an der Brüstung in der Altstadt geschehen war und wie schrecklich sie sich fühlte. Noch während Joy versuchte ihre Gefühle in Worte zu packen, beschlich Lively zunehmend ein Gefühl von innerlich aufsteigender Hitze und Zorn.
Gedanklich schweifte sie dabei ab und fühlte sich an ihren eigenen Vorfall mit ihrem ehemaligen Chef Thomas Black erinnert und konnte daher nur allzu gut verstehen, was Joy da gerade durchmachen musste.
„Unglaublich, ich kann solche Typen nicht abhaben, die meinen sie können sich alles erlauben! Pass auf, den kauf ich mir!”
Mit diesen Worten schob Lively geräuschvoll ihren Stuhl zurück, nahm ihr Wasserglas in die Hand, stand auf und steuerte zielstrebig Steve Richardson an.
Joy, die völlig perplex noch nicht realisieren konnte, was da soeben vor sich ging, beobachtete ihre neue Bekanntschaft wie in Trance. Eigentlich wusste Lively selbst nicht, was sie da gerade tat. Doch sie konnte nicht tatenlos dabei zusehen, wie sehr Joy unter diesem Vorfall noch immer litt.
Damit ist jetzt Schluss, dachte sich die taffe Frau, während sie den Tisch von Steve Richardson und seiner Begleitung ansteuerte.

„Entschuldigung, darf ich Sie beide kurz unterbrechen?”, fragte Lively mit klimpernden Wimpern und baut sich vor dem Tisch auf. „Sind Sie Steve Richardson?

Journalist der Zeitung “Das Wochenblatt”?”
Steve und die blonde Schönheit unterbrachen abrupt ihr Gespräch. Während SIE angespannt dasaß und Lively mit giftigem Blick von oben bis unten musterte, ließ sich der Lokalreporter genüsslich in die Stuhllehne sinken. Geschmeichelt von Livelys vorgegaukelter Avancen und dem herrlichen Augenaufschlag ihrer langen Wimpern, durchzog ein süffisantes Grinsen sein Gesicht. „Ja, genau der bin ich”, säuselte er bestätigend in Livelys Richtung.
„Und Sie sind?“, fragte er betont freundlich.
„Anders …“, sagte Lively übertrieben freundlich und lächelte ihn an.
„Wie darf ich dies verstehen?“, fragte der Reporter mit einem schmachtenden Blick.
Seiner Begleitung schenkte Steve keinerlei Beachtung mehr.
Deine Absichten sind mir schon klar, dass hättest du wohl gerne – aber nicht mit mir, dachte sich Lively und war im Begriff diesen Macho einmal so richtig auflaufen zu lassen.
„Sie sind also derjenige, der fremde Frauen gegen ihren Willen gleich mehrere Male küssen will und sobald diese nicht darauf eingehen, öffentlich in Ihrem Schundblatt durch den Kakao zieht!”, zischte Lively im nächsten Atemzug verachtend. Steve Richardson reagierte zunächst nicht auf die ihm an den Kopf geschmissenen Vorwürfe.
Stattdessen setzte er sich mit einer auffallenden Arroganz aufrecht hin, legte beide Arme auf der Stuhllehne ab und setzte so gekonnt seinen Body in Szene.
Das figurbetonte Hemd spannte nun sichtlich und ein Sixpack zeichnete sich ab.
Lively blieb davon unbeeindruckt an Ort und Stelle stehen, Steves Begleitung schnaufte genervt und tat ihrer Ablehnung mit einer abwertenden Handbewegung kund. Der Journalist jedoch lachte selbstgefällig.
Lively packte allmählich die Wut.
„Ich sag Ihnen was und weil Sie es sind, gibt es diesen Rat sogar gratis! Humor ist, wenn man den Kakao trinkt, durch den man gezogen wird”, tadelte Lively den Journalisten von oben herab. Noch während sie ihm ihren Spruch vor den Latz knallte, schüttete sie ihm mit voller Wucht ihr Wasser ins Gesicht. „Gern geschehen!“, fügte sie noch hinzu, machte auf dem Absatz kehrt und steuerte Joy an.
Na das hat gesessen, dachte sich Lively.
Während sie auf Joy zulief, spürte sie die Blicke der anderen Kaffeegäste auf sich ruhen, welche dem Schauspiel stumm beiwohnten.

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