Terminal-Wahnsinn
Ich wollte nur in Urlaub. Er wollte die Landebahn persönlich wachsen.
Urlaub.
Das Wort klingt nach Entspannung, Sonne, Aperol.
Für meinen Mann klingt es nach Logistik, NASA-Zeitfenstern und dem geheimen Wunsch, als menschliche Checkliste wiedergeboren zu werden.
Unser Flug geht um 10:00 Uhr.
Morgens.
In Worten: Zehn.
Mein Mann steht um 03:15 auf.
Nicht Uhrzeit. Gefühl.
Er weckt mich mit dem Satz:
„Schatz, wenn wir jetzt losfahren, sind wir um 5:08 am Terminal – falls wir unterwegs auf ein Wiesel treffen.“
Ich frage:
„Warum ein Wiesel?“
Er: „Weil… Unvorhersehbarkeit. Ich hab’s einkalkuliert.“
Ich: „Du brauchst Hilfe.“
Er: „Hab ich. Google Maps, in zwei Layern.“
Ich sitze im Auto.
Es ist dunkel.
Draußen.
Und in mir
Wir fahren los.
Mein Mann hat drei Routen berechnet.
Eine mit Stau.
Eine mit Baustelle.
Eine mit… eventueller Erdkrümmung.
Er murmelt während der Fahrt:
„Wenn wir 0,2 % Steigung kompensieren, sparen wir theoretisch 38 Sekunden. Und die können entscheidend sein, wenn das Gate von links nach rechts springt.“
Ich nicke.
Mein Körper gibt einfach auf, es ist zu früh!
05:12 Uhr.
Wir sind da.
Parkhaus P3.
KEIN MENSCH weit und breit.
Die Rolltreppe fährt rückwärts.
Ich glaube, der Flughafen schläft noch.
Ein Vogel hustet.
Ich:
„Schatz, die Lichter sind aus.“
Er:
„Wir sind gut in der Zeit.“
Er schiebt den Koffer wie einen Preisboxer Richtung Abflughalle.
Ich laufe im Halbschlaf hinterher, mit meinem Nackenkissen wie ein Galgen um den Hals.
Dann – die große digitale Anzeige.
„Check-in öffnet um 07:30 Uhr.“
Es ist 05:16.
Ich:
„Perfekt. Noch zwei Stunden Sitzen auf Stein, neben Opa Günther, der seine Mandarine laut schält.“
Er:
„Besser als zu spät.“
Ich:
„Wir hätten gestern Abend einfach auf dem Rollfeld zelten können.“
Er:
„Hab ich kurz überlegt.“
Wir setzen uns.
Ich friere.
Er schwitzt vor Glück.
Er hat einen Ordner mit Reiseunterlagen.
Physisch.
Mit Reitern.
Einen Reiter für „Bordkarten“ und einen für „Eventualitäten“.
Ich frag nicht, er macht das schon.
Ein Flughafenmitarbeiter kommt vorbei.
Mein Mann fragt, ob das Gate C12 schon existiert.
Der Mann sagt: „Noch nicht.“
Mein Mann nickt zufrieden.
07:30 Uhr.
Check-in öffnet.
Wir sind die Ersten.
Natürlich.
Ich lächle.
Er ist stolz wie eine Wurst auf einem Käsebrot.
10:00 Uhr.
Wir fliegen.
Ich:
„Schatz, wir sind pünktlich.“
Er (selig):
„Ich weiß. Ich hab’s durchgerechnet.
Ohne Wiesel wären wir sogar ZU früh gewesen.“
ENDE.
Oder wie mein Mann sagen würde:
„Ich hab ein Excel für die Rückreise. Mit Puffern. Und Ersatzflughafen.“










