Früher wurde man noch mit einem Klaps auf den Hintern und einem Lolli erzogen.
Heute bekommst du einen Erziehungsratgeber mit 432 Seiten, Inhaltsverzeichnis und Kapitel:
„Wie sag ich meinem Kind, dass Furzen in Meetings nicht als Beitrag zählt?“
Damals war das Leben simpel:
Wenn du geschrien hast, hast du Aufmerksamkeit bekommen.
Wenn du gefallen bist, gab’s Spaghetti mit Ketchup.
Und wenn du Blödsinn gebaut hast, hieß es:
„Der ist halt lebhaft.“
Heute?
Du musst dich „benehmen“.
Mit Körpersprache, Feedbackschleifen, und neutralem Gesichtsausdruck bei passiv-aggressiven Einladungen zur Gartenparty.
Und ich und viele von uns?
Wir wurden großgezogen von Figuren,
die – ganz ehrlich – nie auch nur eine Sekunde Benimm geübt haben.
Tarzan.
Das erste Fitnessmodel ohne Hose.
Der Mann schrie sich durch den Dschungel,
konnte maximal drei Silben, und trotzdem rief jeder:
„Wow, wie ursprünglich!“
Wenn ich heute bei Edeka „AAAAAHHHH“ brülle, weil ich beim Ananasangebot ausrutsche –
kriegt nicht Jane Herzklopfen,
sondern der Filialleiter Schnappatmung.
Pinocchio.
Der kleine Holzjunge mit dem eingebauten Lügen-Navi.
Je mehr Blödsinn er erzählte, desto länger wurde die Nase –
also quasi das menschgewordene WLAN-Signal.
Am Ende wurde er belohnt und durfte „ein echter Junge“ sein.
Ich? Ich sag EINMAL beim Arzt: „Nee, ich rauch nicht“ – und hab drei Jahre Karma-Asthma.
Popeye.
Der einzige Mensch, der legal Gemüse gedopt hat.
Der hat Spinat nicht gegessen – der hat ihn geatmet.
Und zack – Bizeps wie ein Gullideckel.
Ich hab als Kind ne Woche lang nur Spinat gegessen – passiert ist nix.
Außer dass ich grün gerülpst hab und meine Oma dachte, ich sei vom Teufel besessen.
Schneewittchen.
Lebt in einer Männer-WG, isst dubiose Bio-Äpfel und macht Dauerschlaf.
Wenn das heute jemand bei Tinder schreibt, denkt man:
Fake-Profil oder Influencer mit Detox-Allergie.
Aladdin.
Beruf: Teppichfahrer.
Hobbys: Lampen reiben, Tiere zum Sprechen bringen, und auf Prinzessinnen wirken wie der Typ mit Gitarre am Lagerfeuer.
In der Realität? Teppich weg, Lampe leer, und der Affe hat ’ne Lebensmittelvergiftung vom Straßen-Sushi.
Pac-Man.
Das Original aus der Rubrik:
„Ich hab keine Ahnung, was ich tue,
aber ich mach’s schnell, bunt und mit Snacks.“
Wenn das kein Lebenskonzept ist, weiß ich auch nicht.
Der rennt seit 40 Jahren im Kreis, frisst Punkte, hat Beziehungsprobleme mit Geistern – und nennt das Erfolgsspiel.
…und heute?
Heute sitzt man bei Tisch wie bei einer Live-Übertragung der UN-Vollversammlung.
Jeder wartet, bis der andere kaut, trinkt sein Wasser in drei gleichmäßigen Zügen und diskutiert ernsthaft, ob man Brot mit der linken oder rechten Hand bricht.
Und ich denke mir:
Wo ist sie hin, die gute alte Zeit,
in der man Spinat direkt aus der Dose gegessen, Äpfel ungefragt geteilt
und auf fliegenden Teppichen Umweltschutz betrieben hat?
Heute sagt man:
„Bitte nicht so laut lachen.“
Damals war das ein Feature!
Heute sagt man:
„Das gehört sich nicht.“
Früher hieß das: Dienstag.
Heute heißt’s:
„Er benimmt sich auffällig.“
Früher hieß das: Hauptrolle im Kindergeburtstags-Theaterstück.
Also ganz ehrlich:
Wenn Benehmen heute bedeutet, dass man emotionslos lächelt, alles vorher durchrechnet und beim Applaus höflich klatscht, dann bleib ich lieber bei meiner inneren Cartoon-Crew,
die das Leben noch gerülpst, getanzt und in Zeitlupe gefeiert hat.
Wer braucht Benimm,
wenn er Tarzan, Pinocchio und einen fliegenden Teppich im Herzen hat –
und ’ne Kirsche im Mund,
während er lachend vom Stuhl fällt?